Skeletor entwendet mithilfe einer Beammaschine den kostbaren Sternenstaub, durch den er ungeahnte Macht erlangen könnte. He-Man macht sich mit seinen Verbündeten auf den Weg, um dem Herrn des Bösen den magischen Staub wieder zu entreißen. Doch nicht nur den Sternenstaub konnte Skeletor zu sich beamen – auch He-Mans wichtigste Waffe, das Zauberschwert, befindet sich nun in seinem Besitz.

Die erste der 37 Masters of the Universe-Episoden setzt gleich zu Beginn auf eine imposante Atmosphäre, die so manches Gruselhörspiel blass aussehen lässt. Dabei kann der unheimliche Grundton beinahe über die gesamte Laufzeit aufrecht gehalten werden und macht Sternenstaub damit zu einer äußerst hörenswerten Folge. Allerdings – und dies zieht sich wie ein roter Faden durch die ersten etwa fünf Kassetten – ist man hier spürbar noch auf der Suche nach dem eigenen Stil. So kommen zahlreiche Logik- und Inhaltsfehler zustande, die das Vergnügen immer wieder trüben. Grundsätzlich unterscheidet sich die Welt der Hörspiele von der des Cartoons (und der Comics) an vielen Stellen deutlich. Viele der Änderungen, die innerhalb der Europa-Geschichten vorgenommen wurden, haben dabei die Qualität durchaus gesteigert. Etwa die etwas menschlichere Darstellung He-Mans, der im Gegensatz zum Cartoon keine Gebirge umher wirft oder Sand zu Glas reibt. Denn im Gegensatz zu der TV-Adaption werden hier nur selten derartige Super(man)taten quasi als letzte Möglichkeit herangezogen, die Geschichte gut enden zu lassen. Weitere Unterschiede sind zum Beispiel die familiären Verhältnisse zwischen Teela, Man-at-Arms (der hier im Gegensatz zum Cartoon niemals „Duncan“ genannt wird) und der Zauberin von Castle Grayskull sowie die Entstehungsgeschichte Skeletors und anderer Charaktere. Doch dazu an anderer Stelle mehr.

Sternenstaub gehört nun also zu jenen frühen Episoden, die sich inhaltlich wie stilistisch an einigen Stellen von dem später etablierten Universum der Masters lossagen. Dass die Helden etwa auf Castle Grayskull leben, hat sich irgendwann ebenso erledigt wie das Geschlecht Zoars (über die hier noch mit „er“ geredet wird und die in Form ihres Alter Ego als Geist (oder eben Zauberin) von Castle Grayskull in Sturm auf Castle Grayskull von Eric Vaessen gesprochen wurde).

Auch einige der Sprecher - welche sich allesamt von den Synchronstimmen der Zeichentrickserie unterscheiden - entwickelten ihre Rollen hörbar weiter, zumeist zum besseren, wie etwa Matthias Grimm, der seinen Orko sogar innerhalb der Episode Sternenstaub sowohl in der für die ersten Hörspiele typischen, dunkleren Interpretation, als auch in der ab Folge 4 (Der unbezwingbare Drache) zum Standard gewordenen, quietschigeren Variante präsentiert.

Einzig der 1996 verstorbene Peter Pasetti in der Rolle des Skeletor hätte seine Figur nicht unbedingt weiterentwickeln sollen, denn so bedrohlich wie in der ersten Folge klang der Herr des Bösen leider nie mehr. Nichtsdestotrotz tut sich natürlich gerade Pasetti als einer der Stützpfeiler des Erfolges der Serie hervor, wobei aber spätestens ab Folge 7 oder 8 nahezu jede noch so kleine Rolle schlicht genial besetzt wurde. Der schier unermessliche Wert einer Monika Gabriel (Teela), eines Karl Walter Diess (Man-at-Arms) und natürlich des Duos Naumann/Langer als Erzähler und He-Man ist bereits in Sternenstaub förmlich greifbar. Hier wurde wahrlich Referenzarbeit für den Hörspielsektor geleistet.

Dazu bei trägt auch maßgeblich die Musik der Hörspielreihe, die zum Besten gehört, was Europa jemals hervorgebracht hat, wenngleich der gottlob später verworfene Einsatz von Wagners „Ritt der Walküren“ bei der Präsentation des Zauberschwerts hier sicherlich noch ein wenig aus dem Rahmen fällt. Ansonsten jedoch sind Sounds und Melodien nicht nur ideal komponiert, sondern werden auch perfekt eingesetzt und schaffen eine unglaublich bedrohliche Atmosphäre in den von Skeletor dominierten Szenen und eine gleichsam erfrischende wie rohe Schlachtenstimmung bei der Untermalung der Helden von Eternia.

Zu einem echten Highlight reicht es für Sternenstaub aufgrund der eingangs angedeuteten inhaltlichen Verwirrtheit allerdings noch nicht ganz. Vor allem war man wohl zu sehr mit den (damals neuen) Charakteren beschäftigt, als dass man eine ausgeklügelte Story hätte auffahren können. Weder erhält der Zuhörer nähere Informationen über die Titel gebende Substanz und ihre Eigenschaften, womit auch ihre offensichtliche Begehrtheit fragwürdig bleibt, noch erschließt sich die Bedeutung der Komponente Zeit für den Zeittresor, in den Skeletor das Zauberschwert einschließt.

Dazu kommen einige uninspiriert anmutende Dialogzeilen, etwa wenn Skeletor davon spricht, mächtiger zu werden, als der „Herr des Universums“. Dass hier ursprünglich beabsichtigt war, eine weitere, womöglich göttliche Figur einzuführen, sollte hoffentlich bezweifelt werden dürfen, fest steht jedoch, dass die Äußerung für sich eher zu den weniger glänzenden Punkten der Hörspielserie zählt.

Glanzvoller gestaltet sich allerdings der Auftritt von Zodac, dem kosmischen Magier, den sicherlich undurchsichtigsten aller Charaktere. Um das Verhältnis von Gut und Böse nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen, schlägt sich Zodac im laufe der Serie mal auf diese, mal auf jene Seite. Somit ist es ein gelungener Schachzug, diese mysteriöse Figur gleich im ersten Kapitel einzuführen.