Durch einen neuen Schlag des Herrn der Unterwelt verschlägt es Man-at-Arms durch ein geheimnisvolles schwarzes Tor in eine ferne, längst vergangene Zeit, aus der es kein Entkommen zu geben scheint. Ohne zu zögern stürzt sich He-Man ebenfalls durch das Todestor, um seinen engsten Freund zu retten. Die Welt auf der anderen Seite wird von gewaltigen Riesen beherrscht, denen sich He-Man nun stellen muss.

Auch die zweite Folge der Reihe beginnt damit, dass Man-at-Arms an einem abgelegenen Ort Experimente durchführt, als plötzlich ein Schlag der bösen Mächte erfolgt. Diesmal wird der Waffenmeister hinterrücks von Tri-Klops attackiert und durch das Todestor um Jahrhunderte in die Vergangenheit befördert. Zwar offenbart sich die Identität des Angreifers nicht gleich, jedoch könnte man ihn – sofern man die Serie nicht chronologisch hört – bereits in dieser Szene an seiner Stimme erkennen. Alternativ geduldet man sich bis zur zweiten Seite, wo der Spion als Angreifer entlarvt und damit das Triumvirat um den Herrscher der Unterwelt vervollständigt wird. Denn machten die Helden in der ersten Episode Sternenstaub bereits Bekanntschaft mit Trap Jaw und Beast-Man, so sind mit dem Auftritt von Tri-Klops die drei wichtigsten Diener Skeletors nun in die Serie eingeführt.

Ebenso wie die Hauptcharaktere auf der „guten“ Seite sind auch die Monsterkämpfer durch Andreas von der Meden, Christian Rode und Peter Lakenmacher grandios besetzt. Dadurch, dass Beast-Man in der vorliegenden Episode nicht vorkommt, überließ man Rode jedoch hier den Part eines Priesters der Riesen, dessen Rolle er zweifelsohne stark ausfüllt. Jedoch ist der Einsatz einer Stammstimme als ein Neben- bzw. Einzelcharakter natürlich denkbar ungünstig gewählt. Fraglich ist ohnehin, warum es bei derlei Besetzungsquerelen stets Beast-Man ereilt, ist er doch auch die einzige Hauptfigur, die im Laufe der Serie von zwei unterschiedlichen Sprechern verkörpert wurde. (Von einer einzigen Ausnahme einmal abgesehen, die an anderer Stelle noch ausführlicher thematisiert werden wird.)

Durch diesen recht klassischen Plot verschlägt es He-Man also in eine ferne Zeit, in der Eternia von Riesen beherrscht wurde, die den Neuankömmlingen in ihrer Welt sogleich feindlich gesonnen sind. Wie sich bald zeigen wird, basiert diese Haltung vor allem auf Furcht und auch die weitere Geschichte hinter diesem Urvolk stellt bereits zu einem so frühen Zeitpunkt den moralistischen Höhepunkt der Reihe dar. Denn so offen wurde nie wieder ein Gleichnis zur realen Welt der meist jungen Zuhörer gezeichnet. Die Riesen verließen einst Eternia, nachdem sie ihre Welt bis zur Unkenntlichkeit verschmutzt hatten, wodurch übrigens die Wüste der Zeit entstand, und zogen sich für dreihundert Jahre auf einen anderen Planeten zurück, um ihre Heimat heilen zu lassen. Es liegt auf der Hand, dass der Cartoon – wir erinnern uns; am Ende jeder Episode der Zeichentrickserie wurde aus der Story eine Art Moral hergeleitet – hier als Inspirationsquelle diente. Warum dieses Konzept nicht weiterverfolgt wurde, kann man jedoch nur erahnen. Schließlich ist es etwas anderes, am Ende einer Geschichte eine moralische Kernaussage separat auszusprechen, als auf Teufel komm raus jene Aussage direkt in die Handlung einbauen zu müssen. Somit ist dieser Ansatz der Story von Das Todestor zwar nicht uninteressant, jedoch in ihrer Konsequenz zu sperrig.

Waren es in der ersten Folge noch die Charaktere, welche allesamt auf einmal eingeführt werden mussten, die als Entschuldigung für die relative Inhaltsarmut herhalten konnten, so mag man an dieser Stelle die Absicht heranziehen, der Handlung einen Lerneffekt beizufügen. Bezweifelt werden darf diese These allerdings allein schon aufgrund der Tatsache, dass die negativen Aspekte weniger im Fehlen von weiteren Schauplätzen oder zusätzlichen Kämpfen liegen, sondern in erster Linie im Handeln der Personen zu finden sind.
Warum Tri-Klops beispielsweise zu beginn darauf wartet, dass Orko kurz verschwindet, bis er Man-at-Arms durch das schwarze Tor wirft, ist  - bedenkt man die Absichten Skeletors, nämlich He-Man durch das Tor zu locken – extrem widersinnig. Der Zeitpunkt des Angriffs ist daher rein unter inszenatorischen, nicht aber unter inhaltlichen Gesichtspunkten gewählt.
Noch plumper ist die Struktur der Aktion „Zurück in die Zukunft“ geraten. He-Man und seine Freunde können nur mithilfe einer magischen Kugel in ihre Zeit zurückkehren. Anstatt unsere Helden die Bedeutung jener Kugel jedoch auf raffiniertere Weise erkennen zu lassen, äußert He-Man schlicht und aus heiterem Himmel die Vermutung, dass diese Kugel sie wahrscheinlich zurück befördern könne.

Zu große Bedeutung sollte man derartigen inhaltlichen Schwächen allerdings nicht beimessen, zumal die Atmosphäre, wie schon beim Vorgänger Sternenstaub, ansonsten absolut stimmt. Die Sounduntermalung der Wüstenwinde lässt diese tatsächlich bedrohlich wirken und die Welt der Riesen ist, wenngleich man sich ein paar detailliertere Beschreibungen der Umgebung gewünscht hätte, ebenfalls gut eingefangen.
Ein ganz besonderer Höhepunkt ist dabei die Entstehungsgeschichte Skeletors, die von Europa gegenüber dem Cartoon abgeändert wurde. In der Hörspielversion wurde der Herr der Unterwelt von den Riesen erschaffen, indem diese alles Übel und alles Böse aus ihrer Welt in ihm konzentrierten. Wenngleich durch diese Hintergrundstory die beliebte Figur des Keldor verworfen wurde, aus dem Skeletor eigentlich hervorging, passt diese Variante sehr gut zur Reihe und unterstreicht eindrucksvoll Skeletors Boshaftigkeit.

Somit hätte Das Todestor eigentlich das Zeug zu einer soliden Folge im oberen Qualitätsdrittel der Reihe, wäre da nicht Goras! Goras wird als Vetter He-Mans vorgestellt, was für sich genommen bereits ein Ding der Unmöglichkeit darstellt. Wie lässt sich das Bild von He-Man, über dessen Herkunft niemand auch nur das Geringste weiß, mit der Existenz eines Verwandten des Helden vereinen?
Viel nerviger als dieser grobe Fehler ist jedoch die Figur selbst, die an ihrer hoffnungslosen Selbstbeweihräucherung geradezu erstickt. Gegenüber Orko stellt er sich als der mächtigste Krieger aller Zeiten vor, berichtet von Monstern, die er daheim bekämpft und redet davon, „viel klüger“ als He-Man zu sein. Dass hinter all dem nur ein lauwarmes Lüftchen weht, versteht sich wohl genauso von selbst wie die Tatsache, dass Goras bewusst überzeichnet dargestellt wurde – was möglicherweise der Moralisierung des Hörspiels zuzuschreiben ist. Dass er dann aber – einmal in wirkliche Gefahr geraten – sprichwörtlich nach seiner Mami ruft, ist mehr als nur eine Spur zu albern. Zu allem Überfluss klebt Orko auch noch von der ersten Minute an Goras Lippen und glaubt ihm jedes Wort, ohne auch nur eine Tat einzufordern.
Würde man in einer Umfrage unter Fans die verhassteste Figur der Reihe ermitteln wollen, so könnte kaum ein anderer als Goras den ersten Platz schmücken. Von aller Schuld frei sprechen muss man allerdings Henry König, dessen Darstellung kaum zu verbessern gewesen wäre. Hier war wirklich nur das Drehbuch schuld und König hatte später als King Hiss Gelegenheit, sein Können in einer sympathischeren Rolle erneut unter Beweis zu stellen.