Im Nachtclub der Vampire ist die erste Folge, die innerhalb der neuen Sinclair-Reihe im Jahr 2000 erschienen ist. Viele werden sich noch daran erinnern, als ihnen kurz nach Erwerb dieser Episode erstmals die für den Hörspielsektor geradezu Bahnbrechenden Effekte und vor allem das von Joachim Kerzel gesprochene, bombastische Intro entgegenschlug. Auch wenn die Serie mittlerweile von vielen sehr stiefmütterlich behandelt wird, werden selbst die Kritiker zugeben, dass sie zur Jahrtausendwende reihenweise mit offenen Mündern vor den Lautsprechern gestanden haben.

Kerzel ist, genau wie Sinclair-Sprecher Frank Glaubrecht, zu einer wahren Ikone der neuen Reihe geworden und macht auch in den jüngeren Folgen noch immer weite Teile des Charmes der Serie aus. Doch auch die anderen Sprecher legen eine Qualität an den Tag, durch die ein Hörspiel erstmals eine ernsthafte Konkurrenz zu audiovisuellen Medien darstellte. Allen voran Franziska Pigulla, unsterblich in der deutschen Synchronrolle Gillian Andersons in der TV-Serie Akte X, erwies sich als echter Glücksgriff.

In der vorliegenden Episode kommt Pigullas Figur Jane Collins allerdings noch nicht vor - stattdessen darf sich John hier von einer jungen Deutschen namens Marina Held anhimmeln lassen. Dieses Mädchen beobachtet unfreiwillig die Aktivitäten einer Gruppe weiblicher Vampire, die in London ihr Unwesen treibt und bringt damit John auf die Spur der Untoten. Wie der Geisterjäger herausfindet, dienen ihre Taten der Vorbereitung zur Ankunft eines mächtigen Dämons - damit funktioniert Im Nachtclub der Vampire nicht nur als lockere Einführungsfolge, sondern liefert auch ansatzweise eine Einleitung für den Konflikt mit dem Schwarzen Tod, der John und die Reihe noch über viele, viele Episoden beschäftigen wird. Dennoch bleiben die Zusammenhänge - wie auch bei den meisten der nächsten Folgen - relativ unbedeutend und so bleiben die ersten Episoden eben doch in erster Linie eigenständige Geschichten, die lediglich von einem marginalen roten Faden durchzogen werden.

Vollkommen ausgereift präsentiert sich das 2000er-Debüt allerdings auch noch nicht, fehlt es der Handlung doch an so mancher Raffinesse und bleibt der Storyverlauf verhältnismäßig eindimensional. John weiß von Anfang an, dass sich seine Gegner in einer Bar namens "Shocking Palace" aufhalten, lässt sich jedoch bis zum Finale immer wieder ablenken, bevor er sich schließlich in das Lokal begibt. Seltsamer Weise verkleidet er sich zuvor noch, um nicht erkannt zu werden - ein pragmatischer Einfall, der den Autoren dankenswerter Weise bislang nicht wieder kam. Die etwas eingeschränkte Story wird aber durch die berühmte Atmosphäre der neuen Reihe mehr als wettgemacht, denn nicht nur die Splattereffekte zünden, auch die detaillierten Beschreibungen der Umgebung und die latent sexuelle Grundstimmung mit ihren schlüpfrigen Details verfehlen ihre Wirkung nicht.

Darüber hinaus beweist man auch einen gesunden Sinn für Humor - teils dunklerer Farbgebung. Besonders die gekonnte Verwendung der ersten Folge zur Einführung des Titelhelden weiß zu gefallen. Im Nachtclub der Vampire erweist sich als wunderbar umgesetzter Start in ein neues Sinclair-Jahrtausend, welches noch einige Überraschungen parat haben und eine ganze Weile superb unterhalten wird.