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Betrachtet man die chronologische Reihenfolge der Geschichten um den Geisterjäger John Sinclair, so stellt die vorliegende Folge die erste Episode der Reihe dar. In der späteren Edition 2000 wurde die Vorlage – der Gespenster-Krimi Band 1 – gar mit einer Sonderedition außerhalb der regulären Serienchronologie mit dem einleuchtenden Titel Der Anfang bedacht. Innerhalb der TSB-Reihe ist die Folge allerdings ebenfalls ein Anfang, ist sie doch die erste, die jemals vertont wurde. Durch die neue Nummerierung, die man bei der zweiten Auflage der Kassetten vornahm, bekam Die Nacht des Hexers dann ungünstigerweise die Folgennummer 38 verpasst.
In mancherlei Hinsicht lässt sich erkennen, dass die Serie hier noch in ihren Kinderschuhen steckte und einige Elemente in ihrem weiteren Verlauf noch ändern oder fallenlassen sollte. Am augenscheinlichsten dürfte hier der Part der Erzählerin sein, der von Marianne Lochert übernommen wurde. Leider hat sie es nur noch in eine weitere Folge geschafft (Die Teufelsuhr, TSB-Nr. 27), obwohl gerade sie einen bedeutenden Anteil daran hat, dass Die Nacht des Hexers eine der atmosphärischsten Folgen der gesamten Reihe geworden ist. Bereits in den ersten Sekunden entwickelt sich ein Gänsehaut-Faktor, der den Vergleich mit klassischen Gruselfilmen keineswegs zu scheuen braucht.
Dabei bedient sich die Geschichte allerdings auch einiger Motive jener Klassiker, insbesondere der Figur des wahnsinnigen Wissenschaftlers, die hier von Professor Ivan Orgow ausgefüllt wird. Orgow wurde einst von seinen Kollegen an der Universität aufgrund seiner geheimnisvollen Experimente für verrückt erklärt und verbannt und lebt nunmehr stilecht in einem Schloss, das von den Bewohnern des nahe gelegenen Dorfes als Spukschloss verschrien ist.
Dort führt er seine schwarzmagischen Experimente unbehelligt weiter und strebt die Erweckung sämtlicher Toter der Umgebung an um sich an der Welt zu rächen. Dabei macht er sich die junge Lara zunutze, die als Medium die Toten wiederauferstehen lassen kann. Die kürzlich verstorbene Mary Winston erwacht als erstes zu neuem Leben. Das junge Mädchen erhält von Professor Orgow den Befehl, zu töten und wandelt sogleich in Richtung ihres Elternhauses. Dort tötet sie zunächst ihre Mutter und danach sogar ihren kleinen Bruder. Zwar darf man hier keine ausgedehnten Splatter-Szenen erwarten, jedoch ist diese Sequenz nicht nur aufgrund der Tatsache, dass hier ein kleines Kind ermordet wird, relativ kompromisslos. Auch Marys Vater, der die Untote daraufhin mit der Axt erschlägt und seine zweite Tochter, die unter Schreien um ihren Bruder weint, schwächen die Wirkung nicht gerade ab.
Nach ihrem erneuten Tod zerfällt Mary zu einem Häufchen Asche und folglich wird ihr Vater des Doppelmordes an seiner Frau und seinem Sohn verdächtigt. Doch trotz der vermeintlich klaren Sachlage ist die örtliche Polizei überfordert, denn zumindest Marys leeres Grab scheint Mr. Winstons Geschichte von seiner toten Tochter zu stützen. Und so bittet man Scottland Yard um Hilfe.
Auch im Yard fallen einem gleich einige Unikate innerhalb der Reihe auf, allen voran das Gemüt von Sir James, welcher hier einen ungewöhnlich freundlichen Eindruck hinterlässt. Außerdem sticht gleich ins Auge, dass John keineswegs der Geisterjäger ist, als den man ihn später kennt. Zwar wird es nicht wirklich thematisiert, aber offenbar hatte John noch nie mit übernatürlichen Fällen zu tun, denn er amüsiert sich über den Aberglauben und bezeichnet ihn als „Hirngespinst“. Diesen Umstand hat die Edition 2000 viel besser gelöst, indem sie die Episode klar als Anfang der Serie herausstellte und innerhalb der Geschichte zum Ausdruck brachte, dass John hier zum ersten Mal in Kontakt mit schwarzer Magie gerät.
Hätte sich nicht später die Reihenfolge verändert, wodurch Die Nacht des Hexers auf Platz 38 landete, könnte man noch etwas besser damit leben, dass weder in dieser, noch in einer anderen Folge, der plötzliche Wandel von Johns Weltbild herausgearbeitet wird. So aber wirkt die Geschichte inmitten der Reihe doch leicht befremdlich.
Um beim Negativen zu bleiben sei die unpassende Musik während der Schlägerei erwähnt, wobei schon die Dialoge bei diesem Kampf einen Schauer der Peinlichkeit über den Rücken jagen. Etwas zwiespältig fallen die Meinungen über die leicht ins Hörbuchartige ausschlagende Präsentation der Geschichte. Mehr als in den anderen Episoden erzählt John hier sehr viel und spricht dabei ganze Dialoge nach. Einerseits stößt dies verständlicherweise auf Ablehnung, andererseits erspart man sich dadurch aber auch die später so häufig auftauchenden, peinlichen Kommentare, mit denen Schläge und Tritte veranschaulicht werden sollen („Jetzt kommt ein Karateschlag!“).
Sieht man
insbesondere von den blöden Neandertaler-Sprüchen und der Musik während
des Kampfes ab, so ist Die Nacht des Hexers eine sehr gute Folge geworden und ebenfalls ein
würdiger Auftakt der Reihe. Hätte man den Aspekt des „ersten Falls“
etwas stärker herausgestellt und wäre das Ende etwas weniger plötzlich, würde
Die Nacht des Hexers sicherlich um
den Titel der besten Folge mitreden.