Der junge Karl Koch gerät durch seine Begeisterung für die in den 80er Jahren aufkommende Computerszene in Kontakt mit einem Dealer und einem Deserteur, die ihm anbieten, sein Hackertalent in bare Münze umzuwandeln. Er soll verschiedenste Informationen für den KGB beschaffen und sie in Ost-Berlin abliefern. Inspiriert durch seinen unbeugsamen Glauben an weltumspannende Verschwörungstheorien lässt sich Karl auf ein Leben als Spion ein, das er fortan nur noch nachts und nur noch unter dem Einfluss von Drogen verbringen kann.

Einerseits sicher zu den besseren deutschen Filmen der letzen Jahrzehnte zu zählen, birgt 23 leider auch so manche Enttäuschung in sich. Betrachtet man das Werk zunächst einmal als Biopic, mag man durchaus zufrieden sein, denn Aufstieg und Fall des realen Karl Koch wurden schlüssig eingefangen. Jedoch suggerieren sowohl Promotion als auch die erste Hälfte des Films eher einen Thriller, der sich neben der Spionagethematik vor allem den Verschwörungstheorien und dabei insbesondere dem Rätsel um die Zahl 23 widmet. Irgendwann verlässt 23 allerdings diese Pfade und mutiert zum reinen Drogendrama, das Schizophrenie, Halluzinationen und Einlieferung Karl Kochs zeigt. Hier wurden dann zahllose Anhänger und Interessenten der in den 90er Jahren besonders angesagten Verschwörungstheorien nach allen Regeln der Kunst vor den Kopf gestoßen. Denn im weiteren Verlauf sind weder die Titel gebende Zahl, noch die zuvor allgegenwärtigen Illuminaten von Relevanz. Bedenkt man die doch recht aufdringliche Assoziation des Films mit diesen seiner Komponenten, muss man den Zuschauern attestieren, berechtigterweise enttäuscht zu sein.

Zumal der Film als reines Drama ebenso wenig punkten kann. Dazu ist die Geschichte der Hauptfigur einfach zu unspektakulär und der behandelte Teil ihres Lebens zu begrenzt und darüber hinaus weitgehend auch zu oberflächlich gehalten. Um dies zu kaschieren, setzt 23 also vordergründig auf die genannten Thriller-Motive, die aufgrund ihrer fehlenden Auflösung jedoch beinahe zu plakativem Beiwerk degradiert werden. Nichtsdestotrotz wissen jene Elemente aber zu unterhalten und – zumindest im Unwissen um den späteren Spannungseinbruch – auch zu fesseln. Denn unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Verschwörungstheorien ist es schon interessant, den wilden Spekulationen der beiden Mini-Revoluzzer zu folgen. Hier wird dann auch die volle Palette an Indizien aufgefahren, sei es der Illuminatengründer Adam Weishaupt, der George Washington beseitigte, um an seiner Stelle Präsident der Vereinigten Staaten zu werden oder die immer wieder am 23. irgendeines Monats ermordeten „großen“ Anarchisten. Die Zahl selbst wird selbstverständlich ebenfalls ausgeschlachtet, wobei jeder für sich selbst entscheiden sollte, ob die Feststellung, dass jemand die Zigarettenmarke Ernte 23 raucht, gekonntes Augenzwinkern darstellt, oder eher den ganzen Film ins Lächerliche reißt. Tatsache ist jedoch, dass einige der Spielereien mit der 23 wahrhaftig imstande sind, ein mulmiges Gefühl aufkommen zu lassen – allerdings dürfte auch jedem bekannt sein, dass man mit jeder Zahl derartige „Zufälle“ produzieren kann, wenn man nur lange genug sucht.

Neben diesen, für sich genommen, gelungenen Szenen, muss man dem Film auch seine Schauspieler und deren Leistung zugute halten. August Diehl hat sich mittlerweile ohnehin zu einem der begehrtesten deutschen (nicht-mehr-ganz-so-)Jungschauspielern entwickelt und legt hier einen unter die Haut gehenden Karl Koch hin, dem man Hektik, Drogenmissbrauch und Paranoia zu jeder Zeit abkauft. Nicht umsonst hat Diehl für diese Rolle den Deutschen Filmpreis erhalten.
Ihm zur Seite steht Fabian Busch als sein bester Freund David, der hier ebenfalls völlig überzeugen kann, und auch die weiteren Rollen sind allesamt gut bis optimal besetzt.

So sind die Schwächen des Films umso bedauerlicher, jedoch nicht wegzudiskutieren und bei einem Blick auf 23 als Ganzes leider viel zu prägnant. Auf der anderen Seite mag man aber auch die durchaus vorhandenen positiven Aspekte herausstellen, was den Film zwar nicht zu retten vermag, jedoch weitaus mehr bietet, als so manch gehypter Müll aus deutschen Landen.