![]()
![]() |
Willie ist so ein richtiges Arschloch. Er hängt den ganzen Tag an der Flasche (egal, welche) und zwischenmenschliche Nettigkeiten kennt er höchstens von der Durchreise. Den kleinen Marcus – seines Zeichens afroamerikanischer Liliputaner - hält das aber nicht davon ab, einmal im Jahr für vier Wochen nicht von Willies Seite zu rücken. Gemeinsam heuern sie nämlich zur Adventszeit in Kaufhäusern an und geben dort den Weihnachtsmann und seinen Elf. Sobald aber am Heiligabend die Lichter ausgehen, bescheren sich die beiden ihre eigenen Geschenke, indem sie den jeweiligen Laden leer räumen. Dieses Jahr haben sie allerdings einige unerwartete Weihnachtsnüsse zu knacken. Der Kaufhausdetektiv ist ziemlich auf Zack, die Santa-Fetischistische Sue lässt auch nicht locker, und vor allem will ein kleiner, aber fetter Junge einfach nicht aufhören, an den Weihnachtsmann zu glauben...
Irgendwie gibt es
doch viel zu wenig gute Weihnachtsfilme! Klar,
ein paar schmucke Horror-Streifen zum Fest lassen sich schon finden, und
der ein oder andere Actioner spielt auch zu besagter Jahreszeit. Aber so
ne richtig garstige Komödie, die dem Geist von Weihnachten mal kräftig
das Tannenzäpfle in den Allerwertesten steckt, vermisst man doch
eigentlich schon lange, oder?
Bad Santa versucht, hier Abhilfe zu schaffen. Und grundsätzlich kann man diesen Versuch auch als gelungen betrachten. Schon der Anfang, der uns nach einem rührseligen Intro einen völlig besoffenen Santa zeigt, wie er in eine Mülltonne kotzt, deutet an, dass hier nahezu wortwörtlich auf jedwede Weihnachts-Romantik geschissen wird.
Trotzdem muss
Willie natürlich am nächsten Morgen wieder ran, um im roten Kostüm die
Kinder zu erfreuen. Bei ihm sieht das dann in etwa so aus, dass er bei den
begehrten „Fotos mit Santa“ einpennt oder sich selber mal ganz
unbeschwert ans Bein pisst.
Irgendwann
platziert sich dann aber ein äußerst übergewichtiger kleiner Junge auf
Willies Schoß, der ihn für den echten Weihnachtsmann hält und fortan
nicht mehr loslassen soll. Zunächst voller Abscheu betrachtet, wird diese
kleine, dicke Nervensäge bald so etwas wie der Geist von Weihnachten für
Willie, denn durch seine konsequente Naivität treibt er den Welt-Hasser
zwar in den Wahnsinn, aber gleichsam auch in eine ihm zuvor wohl völlig
unbekannte Richtung. So wechselt Bad
Santa in der zweiten Hälfte durchaus immer wieder zwischen zwei
atmosphärischen Extremen – Das goldgelockte Kind bringt sein
ultimatives Idol beinahe zur Weißglut, wenn es die dämlichsten Fragen
stellt – Aber der ausgebuffte Kinder-Hasser Willie lässt im Laufe der
Zeit auch immer mehr durchblicken, dass er tatsächlich auch ein Herz hat. Dieses zeigt er
besonders in einer der zynischsten Szenen des gesamten Films, als er den
kleinen Fettsack zusammengeprügelt vorfindet und sich daraufhin die
verantwortlichen Skater vorknöpft. „Ich hab heut ein paar Kinder verprügelt…Endlich
ist in meinem Leben mal was sinnvolles passiert.“
Auch wenn der erste Eindruck vermuten lassen könnte, dass man Bad Santa in eine ähnliche Ecke wie all jene scheußlichen US-Klamotten rund um irgendwelches Gebäck bzw. Überland-Fahrten schieben kann, steckt hier doch etwas mehr dahinter. Zwar kommt auch Bad Santa nicht ohne einen gewissen Grad an Gossen-Humor aus, aber es sind vor allem die ultimative Abneigung gegen so ziemlich alles, die Billy Bob Thornton wunderbar auf sein Gesicht zaubert, und die politisch herrlich unkorrekten Szenen, die den Film so sehenswert machen. Da wird dem Kaufhausmanager klargemacht, dass er nicht so ohne weiteres einen kleinwüchsigen Schwarzen feuern kann, ganz gleich, ob die Entlassung gerechtfertigt wäre oder nicht.
Und da das Ende
zwar etwas gemeiner hätte ausfallen können, man aber dennoch recht gut
damit Leben kann, ist Bad Santa sowohl für winterliche Romantiker,
als auch für Christkind-Hasser eine klare Empfehlung. Der (fast)
perfekte (Anti-)Weihnachtsfilm.
![]()