„Gesucht wird ein Mann mit einem Hackebeil, der seine Genitalien mit sich herumträgt…“

Diese Radiomeldung lässt die beiden spielenden Kinder kalt, erst als der Gesuchte blutverschmiert durch die Zimmertür bricht, freuen sich die beiden, ihren Onkel Anwar zu sehen. Dieser erklärt ihnen unter herannahenden Polizeisirenen, dass er sich gerade in einer etwas brenzligen Situation befindet und schenkt jedem ein 5 Millionen Jahre altes Amulett. Mit dem Hinweis, immer schön die schwarze Magie zu studieren, macht er sich wieder auf, um unter den Augen seiner Neffen im Kugelhagel der Polizei umzukommen.

Zwanzig Jahre später öffnen George und Michael das Grab ihres Onkels, können aber nur noch sein Gehirn bergen. In einem schwarzmagischen Ritual erwecken sie es wieder zum Leben und tun fortan alles, was die glibberigen Überreste ihres Onkels von ihnen verlangen.
Und der hat nur ein Ziel: Die Wiederauferstehung der ägyptischen Göttin Sheetar.

Hierfür benötigen die beiden zunächst viele Frauenkörper, denn die neue Hülle, in die Sheetar fahren soll, muss makellos perfekt sein. Also machen sich George und Michael mit einer aus dem Gangstermuseum geklauten Maschinenpistole auf ins TV-Studio, wo gerade die Sendung „Nude Aerobics“ aufgezeichnet wird. Die nackt umherhüpfenden Mädels werden allesamt niedergeballert und die Brüder machen sich mit Elektromesser und Kettensäge daran, die schönsten Körperteile zu entwenden.  

Natürlich schleppen George und Michael bei dieser Methode weit mehr mit nach Hause, als sie eigentlich bräuchten. Da trifft es sich gut, dass die Brüder hauptberuflich ein Restaurant betreiben, in dem man die Reste gemütlich an die Kundschaft loswerden kann. Dass es sich bei ihrer Arbeitsstelle um ein vegetarisches Restaurant handelt, stört dabei niemanden. Auch die Überreste der weiteren Opfer, deren Innereien für das große Festessen nötig sind, werden im Restaurant zu „vegetarischen“ Delikatessen verarbeitet. Was jetzt noch fehlt, ist eine Jungfrau, die bei der bevorstehenden Zeremonie geopfert werden  muss. 

Blood Diner ist sicher der Höhepunkt der recht kurzen Karriere von Jackie Kong, die zuvor nach einigen Pornofilmen mit den mäßigen The Being und Night Patrol lediglich zwei „richtige“ Filme gedreht hatte. Gemeinsam mit Nachtakademie (The Underarchivers) bildete Blood Diner dann auch das vorläufige Ende ihrer Regie-Karriere, bis sie im Jahre 2001 mit dem Pilotfilm Karaoke Nights einen erneuten Versuch startete,…und scheiterte. Daher dürfte ihr Name der Nachwelt wohl endgültig nur im Zusammenhang mit Blood Diner erhalten bleiben – und dies nicht zu unrecht.

Hier handelt es sich nämlich um eine Perle des Funsplatters, die durch Dragon’s DVD-Veröffentlichung nun endlich auch bei uns in der ungeschnittenen Version erhältlich ist. Dem alten Video-Tape fehlten immerhin ca. 10 Minuten, fiel die Veröffentlichung doch genau in den Höhepunkt bundesdeutscher Zensurwut. Was nicht heißen soll, dass der Film sich in die Masse unverständlicherweise gekürzter Werke einreiht – Grund genug, die Schere anzusetzen, gibt es aufgrund der zahlreichen Gore-Szenen durchaus. Allerdings dürfen einige der damaligen Schnittauflagen durchaus als fragwürdig angesehen werden. So musste unter anderem der Wrestler „Little Joey Hitler“, der mit Hakenkreuzbinde und Stachelhelm (schon eine Ironie in sich!) daherkommt, der Political Correctness weichen. Dass derartige Klischees zu dieser Zeit speziell in der Welt des Profi-Catchens an der Tagesordnung waren – wenn auch nicht gerade so überspitzt wie in diesem Fall – interessierte selbstverständlich niemanden. Doch glücklicherweise kommen wir ja mittlerweile in den Genuss der vollständigen Fassung, und nur so funktioniert der Film!  

Man muss schon wissen, auf was man sich einlässt – Gehobenen Ansprüchen wird Blood Diner nicht gerecht. Natürlich will er das auch gar nicht, vielmehr werden hier Fans von Filmen, wie sie uns Troma kredenzt, zur vollsten Zufriedenheit bedient. Die Handlung hält keine Geheimnisse oder gar Twists parat, der Look des Films lässt sein niedriges Budget erahnen und die Schauspieler können auch nur insofern überzeugen, als dass sie wunderbar in den völlig überdrehten Stil des Films passen.

Genau hier jedoch liegt das größte Problem von Blood Diner: Eben jene Überdrehtheit wird an manchen Stellen zu sehr zelebriert, sodass hier und da der Schwelle zur Albernheit doch gefährlich nahe gekommen wird. Schließlich waren hier keine Gag-Schreiber a lá Zucker/Abrahams am Werk – daher finden sich in den Dialogen durchaus auch einige Längen…

…Die aber zumeist gleich wieder in Vergessenheit geraten, wenn wieder mal eine völlig abgedrehte Idee folgt. Wem bei einer vegetarischen Moped(!)Gang, die sich „Die Kannibalen“ nennt, oder bei einem Mann, der nach dem Verlust beider Hände recht umständlich versucht, sein Auto zu lenken, kein Grinsen über das Gesicht wandert, der ist hier definitiv im falschen Film!

Man sollte auf keinen Fall einen zweiten Braindead erwarten. Zwar fließt reichlich Blut, doch beschränkt sich der Film gerade in der ersten Hälfte eher auf das Zeigen von Körperteilen und Innereien. Wenn sich zum Ende des Films alle Beteiligten in einer Disco zum großen „lumerischen Fest“ treffen, geht es dann aber auch effekt-mässig so richtig rund, sodass auch die Gorebauern zur Zufriedenheit bedient werden.  

Wer durchgeknallte Filme mit reichlich nackter Haut – ein Highlight ist definitiv der Karate-Kampf im Eva-Kostüm - und jeder Menge Gore mag,  der wird um Blood Diner einfach nicht herum kommen.