Da der kleine Brian nicht einschlafen mag, kann oder will, erzählt ihm sein Onkel drei „Gute“ Nacht Geschichten über Hexen, Werwölfe und Massenmörder…

Dass dieser Episodenfilm im Fahrwasser von Creepshow und Konsorten schwimmt, dürfte sich von selbst verstehen. Einmal mit diesem Wissen gesegnet, wird der geneigte Horrorkonsument bereits erahnen, dass bei derlei Kopien in aller Regel äußerst pingelig auf’s Geld geschielt wird, sodass sich das Budget (und damit in vielen Fällen auch die Klasse), sicherlich aber der Look zumeist auf einem Niveau mit Bodennähe bewegen.

Umso erfreulicher ist es da, dass die Ausstattung der ersten Episode trotz der zeitlichen Einordnung recht gut funktioniert. Erzählt wird die Geschichte von einem Jüngling, der irgendwo im tiefsten Mittelalter von zwei Hexen als Handlanger gehalten wird und dabei so manch garstige Hilfestellung bei Opferungen und dergleichen zu leisten hat. Als die Leidtragende eines solchen Ereignisses eine wohlbestückte, blonde Magd sein soll, probt er jedoch den Aufstand. Denn nicht nur hat er sich bei der Entführung der Jungfer – denn dies fällt eindeutig in seinen Aufgabenbereich – in diese verliebt, sondern bereits zuvor heftigste moralische Zweifel an den mit Ermorden und Zerstückeln verbundenen Taten der Hexen geäußert. Womit er freilich auf taube Ohren stieß, und man kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, wenn die Warzenträgerin so gar nicht weiß, wie es dem Knaben bloß derartige Flausen in den Kopf getrieben haben mag – dennoch vermag die Episode als Ganzes nicht zu überzeugen. Dazu ist die Story dann doch zu dünn, da vermögen selbst ein paar ansehnliche Effekte nichts dran zu ändern. Immerhin wird man nach einem durchgesengten Handgelenk und einer sehr effektvollen Reanimation, bei der sich das aufgebahrte Skelett in schön ekliger Weise in eine dritte Hexe verwandelt das Ansehen der Episode nicht bereuen, zu mehr reicht es aber leider nicht.

Nach einigen wenigen Minuten kindlicher Überredungskunst folgt sogleich die zweite Geschichte, eine für die 80er Jahre geradezu typische Coverversion des Rotkäppchens. Nur dass das Mädel hier Rachel heißt, nicht sehr viel mehr als Sex im Kopf hat und auf einer nachmittäglichen Joggingrunde ein paar Pillen bei der Oma vorbeibringen soll. Ach ja, einen roten Trainingsanzug trägt sie dabei, nicht wahr…

Eigentlich ist diese Episode die schlechteste, denn hatte man zuvor noch auf vernünftige Effekte und eine halbwegs wirksame Atmosphäre zurückgreifen können, bietet dieser Abschnitt des Films so ziemlich gar nichts. Die Handlung ist sogar noch dünner, denn alles was passiert ist eine Verwechslung der Medikamente, woraufhin sich ein Mann in der Hoffnung auf seine tägliche Dosis zum Haus der Großmutter begibt, wo er sich dann aber ohne seine Pillen in einen Werwolf verwandelt. In der Zwischenzeit (und die ist, betrachtet man, wie zügig es dunkel wird, nicht näher definiert) verlebt Rachel in einer seltsamen Hütte im Wald ihr erstes Mal, da die Zeit aber wie gesagt so schnell vergeht, macht sie sich gleich im Anschluss ebenfalls auf zur Omi. Dort erleben wir dann ein wirklich minimalistisches Finale, bevor wir wenigstens noch einen zwar zu erwartenden, aber schon netten Schlussgag mit auf den Weg bekommen.

Jetzt kommt sie aber, die dritte Episode und gleichzeitig die einzige Rechtfertigung für diesen Film. Die durchgeknallte Familie Bear flieht aus der Klapse und macht sich auf den Weg zu ihrem alten Haus. Dort hat es sich mittlerweile eine gewisse Goldie Lox bequem gemacht und nebenbei die Hütte bis unter das Dach mit männlichen Leichen vollgestopft. Die gute ist nämlich auch nicht mehr so richtig fix im Kopf und scheint es sich wohl überdurchschnittlich zu Herzen zu nehmen, wenn ein Verehrer mal wieder nur das eine von ihr will. Mittels ihrer telepathischen Kräfte bringt sie also jede Menge Männer um die Ecke, was uns einmal mehr einige Blicke auf schön fiese Spezialeffekte werfen lässt. Nachdem dann die bekloppte Familie ihr trautes Domizil erreicht, und sich über die vielen Körper in ihren Betten gewundert hat, tun sich die Psychos zusammen und zwei von ihnen sollen sich später sogar noch eingehender kennen lernen, was für die Umgebung nicht gerade von Vorteil ist, denn was passiert, wenn ein telepathisch übermäßig begabtes Miststück ihren ersten Orgasmus erlebt, wurde meines Wissens zuvor auf Zelluloid noch nicht thematisiert.

Ich denke, man merkt schon, wie ernst man Die Zunge des Todes, im amerikanischen Original weitaus sinniger und stimmiger Deadtime Stories betitelt, nehmen sollte. Gerade die dritte Episode gleicht in Look und Humor vielen Produktionen aus Tromaville bis aufs Haar. Dass die Finger einer abgerissenen Hand hier die Blüten beim „Sie liebt mich – Sie liebt mich nicht“-Zählspiel ersetzen, ist nur einer der wundervoll durchgeknallten Gags in dieser Story.

Wie der Vergleich mit Troma schon andeutete, haben wir es bei der dritten mit der handwerklich schlechtesten Episode zu tun. Möglicherweise ging mit fortschreitender Drehzeit das Budget zur Neige, allerdings unterscheiden sich die drei Geschichten auch unabhängig von derartigen Differenzen sehr stark voneinander. Fast ist man geneigt zu glauben, Jeffrey Delman hätte gar nicht bei allen drei Teilen Regie geführt, denn so richtig zusammen passen die Geschichten nicht.

So ist es natürlich etwas schade, dass die mit Abstand beste Episode augenscheinlich mit den größten Problemen zu kämpfen hatte – andererseits funktionieren solch abgedrehte, schwarzhumorige Themen oft auch nur auf niedrigem finanziellen Niveau. Wie dem auch sei, trotz Schwächen lohnt sich das Anschauen der Geschichte um Goldie und die drei Bears auf jeden Fall und so schlecht, dass der Abend verschenkt wäre, sind die anderen beiden Episoden, speziell die erste, nun auch nicht.