Slashers ist der Name einer japanischen Gameshow, in der sechs Kandidaten nur eine Aufgabe haben: Überleben! Dies zu verhindern suchen drei extravagante Killer: Der Preacherman, Dr. Ripper und Chainsaw Charlie. Da sich die Show auch in Übersee riesiger Beliebtheit erfreut, steht nun das Slashers All American Special an, in dem sechs US-Bürger gegen die drei Schlächter antreten, um die Prämie von bis zu 18 Millionen Dollar zu ergattern.

Bei dem abgedrehten Intro hätte man gar nicht darauf getippt, dass Slashers keine asiatische, sondern vielmehr eine Kanadische Produktion ist. Denn in typisch japanischer Manier werden die Kandidaten und vor allem die Slasher vorgestellt, alles ist schrill, bunt und überdreht. Nachdem die Kandidaten dann aber das Labyrinth, in dem sich fortan alles abspielen soll, betreten, kehrt für kurze Zeit etwas Ruhe ein und man kann das halbe Dutzend TV-Kanonenfutter erst einmal ordnen.

Da hätten wir also Devon, den schwarzen Ex-Marine, der sogleich das Kommando an sich reißt, Rick, den aggressiven Latino, Rebecca, die toughe Powerfrau, Brenda und Michael, die beide recht verblödet daherkommen und die ständig flennende Megan, die zunächst nur nervt, sich danach aber zur Hauptfigur mausert. Sie ist nämlich nicht des Geldes wegen hier, sondern will mit ihrem geplanten Ableben eine Botschaft gegen Gewalt zu Unterhaltungszwecken abgeben. Doch während sie sich todesmutig für ihre Überzeugungen unter die Messer des Dr. Ripper werfen will, hat es dieser mit seinen Werkzeugen zunächst nur auf Megans Kleidung abgesehen. Entscheidend ist schließlich die Quote und ein allzu frühes Dahinscheiden der – wenn sie mal nicht heult – recht ansehnlichen und gut bestückten Menschenrechtlerin wäre schlecht für’s Geschäft.  

Die Idee, die Killer mit Headsets auszustatten, damit sie Regieanweisungen für ihre Massaker erhalten können, erweist sich als genial. Und so schlitzt der Doktor eben nicht Megan, sondern lediglich ihr Oberteil auf. Die gute wird dadurch leider noch panischer und rennt nunmehr mit vor der Brust verschränkten Armen um ihr Leben, was Devon, nachdem Megan sich und ihre beiden Lebensversicherungen in Sicherheit gebracht hat, zu einem der schönsten Sätze der Filmgeschichte bewegt: „Dein Leben steht auf dem Spiel, und du machst dir immer noch was draus, dass ein paar Fremde deine Möpse sehen können!“

Danach geht es nach gewohntem Slasher-Schema weiter, die Kandidaten werden immer wieder voneinander getrennt und stehen in stets wechselnden Kulissen den Killern gegenüber, was mit der Zeit zu blutigen Verlusten auf beiden Seiten führt. Im Gegensatz zur hundertsten Freitag-Kopie bietet Slashers aber neben den bizarren Figuren sogar noch ein gewisses Maß an Charakterbildung. Nach und nach wird die Motivation aller Teilnehmer offen gelegt, was zwar nicht unbedingt zur Identifikation reicht, die Dialoge dafür aber um einiges erträglicher macht, als bei den angesprochenen Schlitzer-Plagiaten.

Das größte Plus verzeichnet der Film aber mit dem Motiv der Gameshow. Die Show scheint nur einen Kameramann zu haben, und dieser  ist immer dicht am Geschehen. So wirkt es, als wäre der komplette Film mit nur einer Kamera gedreht, die dazu immer aus der beobachtenden Perspektive photographiert. Dieses Konzept geht vollends auf und auch die digitale TV-Optik verfehlt ihre Wirkung nicht. Da natürlich nicht alles live und an einem Stück gedreht werden konnte, behalf man sich im Schnitt mit immer wiederkehrenden Wackelkontakten in der Beleuchtung, mit Reißschwenks und anderen Kameraspielereien. Diese Tricks sind zwar leicht zu durchschauen, im Zusammenhang mit der Idee des Films – und noch dazu bei einer Independent-Produktion – sieht man darüber aber nur zu gerne hinweg. Dass hier handwerklich keine Anfänger am Werk waren, zeigt die Kameraführung in fast jeder Einstellung. Fahrten und Bewegungen sind teilweise so gut gemacht, dass man vermuten könnte, das halbe Budget sei für den (Star)Kameramann draufgegangen, doch von dem guten Denis-Noel Mostert habe ich noch nie etwas gehört.

Die Effekte dagegen hätten noch einen minimalen Feinschliff vertragen können, wollen auf der anderen Seite aber auch gar nicht zu realistisch daherkommen. Vielmehr passen sie sich dem Grundtenor des gesamten Films an, indem sie mehr als schwarzhumoriger Seitenhieb angelegt sind. Daher quellen auch schon mal gefühlte 50 Kilo Dickdarm aus Rebeccas zersägtem Torso. Ein Wenig mehr Realismus hätte dem Witz keinen Abbruch getan, aber auch so kann man an den Goreeinlagen durchaus Gefallen finden, auch wenn vieles allzu leicht als Pappmache entlarvt werden kann.

Slashers darf ohne Bedenken als ein überdurchschnittlicher Debütfilm bezeichnet werden, funktioniert aber auch ohne den Bonus des Regie-Neulings. Denn wenn es überhaupt noch eine Möglichkeit auf Innovation im Slasher-Genre gab, dann wird sie uns in dieser nicht unintelligenten Mediensatire präsentiert, die nebenbei auch als vordergründiger Partyfilm bestens zu unterhalten vermag. Trotz der naturgemäß wenig dramatischen Handlung bleibt der Spannungsbogen stets hoch und Langeweile stellt sich zu keiner Zeit ein.