Das
 

Sequels erfreuen sich im Slasher-Genre ja bekanntlich besonderer Beliebtheit. Kommt dann noch eine Teenie-Slasher-Welle dazu, wie sie in den 90ern über uns hergeschwappt ist, lässt ein zweiter Teil zu einem halbwegs erfolgreichen Scream-Klon garantiert nicht sehr lange auf sich warten.

Hier haben wir es nun mit der Fortsetzung zu Ich weiss was du letzten Sommer getan hast zu tun, in dem ein paar Jugendliche versehentlich einen Fußgänger überfahren hatten und die Leiche - von einem Schwur, niemals über dieses Ereignis zu sprechen, begleitet - im Meer verschwinden ließen. Damals löste diese Fahrerflucht eine Mordserie aus, bis Ben Willis, der vermeintlich überfahrene, als Killer enttarnt und von einem Schiff geschleudert wurde. Hätte allein die Tatsache, dass keine Leiche gefunden wurde, genügt, einen zweiten Teil zu rechtfertigen, musste man seinerzeit dennoch einen draufsetzen und Julie, die Hauptfigur, einer finalen Schocksequenz aussetzen. War diese bereits im ersten Film völlig überflüssig, wird sie für das Sequel sogar gänzlich ignoriert. Okay, wäre anders auch schwierig geworden, mit der selben Hauptdarstellerin weiterzumachen, aber warum man am Ende von Teil 2 exakt denselben Unsinn noch einmal produzieren musste, dürfte sich - wenn überhaupt - höchstens dem Regisseur und eventuell dem lieben Gott erschließen.

Nun gut, die Handlung setzt also genau ein Jahr nach den Ereignissen aus Teil 1 ein und Julie ist immer noch überdurchschnittlich schreckhaft. Doch alles Nachdenken über den bevorstehenden Jahrestag ist wie weggefegt, als Julie’s Mitbewohnerin Karla einen Wochenendtrip für vier Personen auf die Bahamas gewinnt. Dass Julie und Karla’s Freund Ty mitkommen, versteht sich von selbst. Julie’s Freund Ray kann angeblich nicht, darum landet kurzerhand Ersatzmann Will im Boot bzw. im Jeep und auf geht’s.

Einmal im Tropenparadies angekommen schlägt die Stimmung relativ schnell um. Zunächst ist es nur der Zuschauer, der erfährt, dass der Tag der Ankunft auch gleichzeitig der letzte Sonnentag auf der Insel ist. Doch als an der Hotelrezeption erst nach ewigem Klingeln jemand aufkreuzt und dieser Mr. Brooks die vier auch noch mit unverblümter Feindseeligkeit empfängt, ist auch bei unserer Reisegruppe die erste Freude etwas getrübt. Der unfreundliche Hotelmanager wird übrigens von Jeffrey "Dr. Herbert West" Combs gespielt, was für den geneigten Horrorfan zwar einen netten Cameo abgibt, aus sicht des "Re-Animator" aber schon ein wenig bedauerlich anmutet. Um bei mit Stars besetzten Nebenrollen zu bleiben sei auch Jack Black erwähnt, der hier zwar noch ziemlich unbekannt war (zumindest in unseren Breitengraden), der es aber mittlerweile in die großen Produktionen Hollywood’s geschafft hat. Hier spielt er einen von Gras besessenen Rastamann, der mit schriller Stimme und bemerkenswerter Penetranz den restlichen auf der Insel Verbliebenen auf die Nerven geht. Denn neben den genannten Personen befinden sich nur noch ein Zimmermädchen, ein Portier, ein Page und eine Barkeeperin auf dem Eiland, was die vier aus der Großstadt ebenfalls ein wenig beunruhigt.

Die Rahmenbedingungen sind also geschaffen und so kann es auch endlich losgehen; Den ersten Mord entdeckt selbstverständlich Julie und als sie den anderen die Leiche präsentieren will, ist diese natürlich verschwunden. Es ist immer wieder erstaunlich, in welch kurzer Zeit die Killer in solchen Filmen nicht nur die Toten wegschaffen, sondern auch Boden und Wände blitz und blank wischen. Eigentlich müsste doch jemand mal auf die Idee kommen, diesen Umstand für einen Meister Propper-Werbespot zu nutzen…

Wie gehabt gilt die arme Julie von nun an bei ihren Begleitern als verrückt und da sie bis zu diesem Zeitpunkt mehrfach irgendwelche Gestalten gesehen haben will, kann man die Jungs auch irgendwie verstehen. Jetzt dauert es ein bisschen, bis die nächsten Toten auftauchen, dann aber gleich ein Leichen-Trio, welches zeitgleich an drei an verschiedenen Stellen, von allen vieren entdeckt wird. Jetzt gilt Julie nicht mehr als verrückt, dafür hat man das Problem mit dem Killer. Was folgt, ist eine in die Länge gezogene Hatz auf die Teenies, bei der einige das Zeitliche segnen und die am Schluss die entscheidenden Personen zusammen führt. Einmal mehr steht der totgeglaubte Ben Willis vor Julie, aber diesmal erhält er noch Unterstützung. Die Auflösung ist dann ebenso unlogisch und im Grunde auch belanglos, wie der ganze Film, denn Ich weiss noch immer was du letzten Sommer getan hast besitzt zwar fast alle Genre-typischen Elemente, kann dabei aber keines gekonnt genug ausspielen, als dass sich der Film sich von Seinesgleichen abheben könnte. Die Morde sind nicht besonders originell und bis auf ein-zwei Ausnahmen auch relativ unblutig. Besonders beim Finale trifft hier das eigentliche Credo einer Fortsetzung „höher, schneller, weiter“ überhaupt nicht zu.

Jennifer Love Hewitt ist zwar in ihrer Teenie-Slasher-Uniform (enges, weißes Top) durchaus nett anzusehen, aber eine kurze Bikini-Szene reicht wirklich nicht, um den Film erwähnenswert sexy zu gestalten. Witz und Charme vermisst man ebenfalls, nicht mal mit den Genreüblichen Querverweisen kann der Film aufwarten.  Neben dem Auftritt von Jeffrey Combs gibt es lediglich die erschreckend plumpe Frage, ob Julie vielleicht auch einen Freddy oder einen Jason gesehen hat. Etwas mehr Fingerspitzengefühl wäre auch hier angebracht gewesen.

 

Nun soll der Film aber nicht als völlige Gurke dastehen, es handelt sich durchaus um soliden Durchschnitt. Filme, die in ein Genre fallen, das in wenigen Jahren zig Ableger ausspuckt, sollten sich aber - wenn sie schon keinerlei Innovation zu bieten haben - zumindest der einen oder anderen Genre-Zutat, sei es nun Sex, Gewalt, oder was auch immer, etwas intensiver widmen und nicht in völlig uninspirierter Weise das Standardprogramm herunterspulen. Was bleibt ist ein halbgarer Hochglanz-Horror, der wirklich nichts hat, was einen bleibenden Eindruck hinterlassen würde.