Allzu viel Gutes gibt es über diesen kleinen, spanischen Film aus dem Jahre 1972 nicht zu berichten. Dennoch ist El Monte de las Brujas, so der Originaltitel, keineswegs durch und durch schlecht – nur konfus…

So fragen wir uns bis zum Ende des Films (und eigentlich noch darüber hinaus), welche Bedeutung die viel versprechend anmutenden ersten Minuten des Films überhaupt hatten, in denen wir Zeuge wurden, wie Carla ihre kleine Tochter Gerda tötete. Nicht nur fragt man sich, ob nun das Katzen mordende, Schlangen liebende Mädchen verrückter ist, oder die Mutter, die ihr Kind abfackelt – man ist auch geneigt, sich zu wundern, mit welcher Gelassenheit das Drehbuch über diese doch einschneidende Episode innerhalb eines Menschenlebens hinwegsieht und uns gleich im Anschluss Carlas bedauernswertes Buhlen um ihren Exfreund präsentiert. Freilich wird das Einäschern der (vermutlich gemeinsamen) Tochter mit keinem Wort erwähnt und wie die verständlicherweise gescheiterte Beziehung ausgesehen haben muss, kann man sich sogleich sehr bildlich vorstellen, derart rüde gibt der angebetete Mario Carla einen Korb. Diese macht sich mit Verwünschungen auf den Lippen und unter weiteren Beleidigungen aus dem Staub und ward, mit einer kurzen Ausnahme, im weiteren Verlauf nicht mehr gesehen. Bedauerlich, denn neben diversen Logikfragen schwirrt dem Zuschauer vor allem die Carla-Darstellerin Mónica Randall auch nach dem Abspann noch im Kopf umher. Zu erwähnenswerter Berühmtheit hat es diese Schauspielerin allerdings nie geschafft, denn auch wenn die Liste ihrer Filme nicht gerade kurz ist, konnte daraus lediglich der Spencer/Hill-Schinken Freibeuter der Meere größere Popularität erlangen.

Auch ihr Film-Ex-Freund Cihangir Gaffari ist recht weit von der Bezeichnung ’Moviestar’ entfernt, hat aber immerhin neben seiner Rolle in Jess Francos Les Démons (Die Nonnen von Clichy) einen Auftritt in der 88er van Damme-Klopperei Bloodsport vorzuweisen. Ansonsten aber rekrutiert sich seine Filmografie vor allem aus dem Durchschnittseuropäer völlig unbekannten türkischen Filmen. Ohne einen davon gesehen zu haben kann man sich sein Mitwirken in diesen Produktionen aber lebhaft vorstellen, durfte man Zeuge seines Outfits in The Witches’ Mouintain werden.

Der von ihm gespielte Zeitungsfotograf Mario hat also genug von Carla und lässt sich von seinem Chef einen Auftrag geben, den er unter anderen Umständen wohl nie angenommen hätte. Hauptsache, er hat einen Vorwand, weit, weit wegzufahren.
Auf dieser Fahrt kommt er an einem Strand vorbei, wo er Halt macht und von einem Felsen aus eine junge Frau zunächst beim Sonnenbaden und dann beim Bikiniwechseln beobachtet. Mario, ganz Profi, schießt sofort einige Bilder von der nackten Schönheit, wobei dem Zuschauer unverschämter Weise die essentiellen Blicke verwehrt bleiben. Wer nun davon ausgeht, die Dame wäre erbost und würde Mario eher mit ihrem soeben gewechselten Badezweiteiler erwürgen, als sich auch noch mit ihm zu unterhalten der mag auf das Jahr 2006 bezogen vielleicht recht haben. 1972 allerdings sind die Mädels in einer derartigen Situation in den Jeep des Spanners gehüpft, um mit ihm etwas trinken zu gehen. Dieses nicht gerade prüde Fräulein wird von der hinreißenden Patty Shepard verkörpert, die – soviel sei bereits verraten – neben Mónica Randall der einzige Grund sein dürfte, sich den Film möglicherweise ein zweites Mal anzusehen. Sinnvoller als ein zweiter Durchlauf wäre es allerdings, sich Shepards anderen Filmen zu widmen, unter denen neben zahlreichen europäischen Western vor allem Dracula jagt Frankenstein sowie The Werewolf vs. The Vampire Woman (Nacht der Vampire) zu empfehlen wären. Eine nette Parallele zu ihrer Kollegin Mónica Randall ist übrigens die Tatsache, dass auch sie in einem Film mit Terence Hill und Bud Spencer zu sehen ist, nämlich in Zwei wie Pech und Schwefel.

Hier spielt sie nun die junge Delia, die nach dem gemeinsamen Drink beschließt, Mario bei seinem Job Gesellschaft zu leisten und sich mit ihm auf den Weg zum Gipfel eines bestimmten Berges in den Pyrenäen macht. Dort soll der Fotograf Bilder für eine Zeitung machen. Allerdings sollen sich dort auch Hexen herumtreiben und so werden die beiden natürlich von den spärlich anzutreffenden Menschen vor dem Gipfel gewarnt. Einer von ihnen ist der Wirt der Herberge, in der sie übernachten. Gespielt wird dieser unheimliche Geselle von Viktor Israel, der mit seinem markanten Gesicht auch schon Klassiker wie Horror Express, Tote Zeugen singen nicht und Zwei glorreiche Halunken bereicherte.

In der Nacht und am darauf folgenden Tag geschehen dann einige wunderliche Dinge, deren Höhepunkt einige Fotos darstellen. Hätten es eigentlich nur hübsche Panoramaaufnahmen werden sollen, tauchen plötzlich ganze Scharen von Menschen auf unerklärliche Weise auf den Bildern auf. Delia und Mario beschließen, von diesem Ort zu verschwinden, werden aber von dem immer dichter werdenden Nebel überrascht, der ein Weiterkommen unmöglich macht. Also beschließen die beiden, am Straßenrand ein Nachtlager zu errichten.

Ein erstaunter Blick auf die Uhr zeigt uns, dass sich der Film hier bereits auf der Zielgeraden befindet, obwohl nicht wirklich viel passiert ist. Lediglich verschiedene, zusammenhangslos anmutende Ereignisse wurden uns bislang präsentiert. Und, um den letzten Funken Hoffnung zu nehmen, auch während der restlichen Laufzeit sehnt man die alles erklärende Auflösung vergebens herbei. Zwar weiß man hinterher, was in etwa vorgefallen ist, ein stimmiges Ganzes will aber überhaupt nicht entstehen. Zu lose sind die mitunter wirklich gelungenen Elemente miteinander verbunden.
Immerhin das Finale, welches gerne etwas früher beginnen und länger dauern hätte dürfen, vermag ein wenig zu versöhnen. Endlich gibt es die Titel gebenden Hexen, welche knapp bekleidet irgendein Ritual durchführen, dessen Sinn sich einem vielleicht nicht bis ins Äußerste erschließt, dessen Choreographie und dramatische Musikuntermalung jedoch aller Ehren wert sind.

So endet The Witches’ Mountain so, wie er beginnt: viel versprechend. Das regelrechte Handlungsvakuum dazwischen wird immerhin mit einigen klasse Figuren und einer dichten Atmosphäre zu füllen versucht, die dank der perfekten Landschaft besonders in den tollen Außenaufnahmen ihre volle Wirkung entfaltet.